Wohin mit dem Alten?

Retrato de familia, 2018 (links) und 2010 (rechts)

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Viele von uns verstehen die Bedeutung der Fotografie, um unsere körperlichen Veränderungen im Auge zu behalten. Wir behalten Bilder von Familientreffen, Jubiläen, Geburtstagen, Hochzeitstagen, Neujahrsfeiern, und so weiter. Aber Fotos können selten die Veränderungen in unseren Überzeugungen und unseren Gefühlszuständen im Laufe der Zeit festhalten. Für mich ist die Malerei eine Möglichkeit, die emotionalen Veränderungen in mir zu verstehen und zu verfolgen, und ich benutze Symbole, um diese Veränderungen darzustellen.
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TV-Porträt im NDR – Hamburg Journal

Diese Woche hat der NDR ein kleines Porträt über mich gedreht. Wie man auf dem Foto sehen kann, war meine Malerei ein Thema, aber wir sind auch zusammen über den Kiez gegangen und haben über meine neue CD gesprochen. Ein paar Konzertmomente und Ausschnitte aus meinem neuen Musikvideo „Lady Monique“ sind auch dabei. Der Beitrag wird heute Sonntag um 19:30 Uhr im NDR Hamburg-Journal ausgestrahlt. Wer es verpasst hat, hier der Link dazu in der NDR-Mediathek: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Portrait-Judith-Tellado,hamj37328.html

NDR Filmdreh

Radio-Interview NDR 90,3 Abendjournal

Heute abend bin ich auf Radio NDR 90,3 im Interview zu hören! Dieses Bild hatte ich im Studio dabei. Leider kann man es im Radio nicht sehen 😉 – aber wir haben darüber und über meine neue CD „UNDER NEON STARS“ gesprochen. Am 13. November im Abendjournal nach den 19 Uhr Nachrichten auf NDR 90,3! Wer es verpasst hat kann es sich hier anhören:

Sing for us – Sing für uns, 2012

In dem Traum war ich bei Tisch. Der Kellner kam mit einem großen ovalen Teller voller Fleisch. Ein Steak lag über dem anderen. Der Haufen Fleisch sah frisch aus. Die Steaks hatten eine rosarote Farbe und weiche Fettadern reflektierten das Licht. Ich fühlte mich glücklich darüber, dass ich mir so eine Mahlzeit leisten konnte, aber es gab ein Problem: das Fleisch war komplett roh. Ich fühlte keinen Ekel, aber ich wusste, dass ich das Fleisch nicht so essen konnte wie es war. Dann näherte sich eine Frau meinem Tisch mit einem Stück Papier in der Hand. Sie lächelte, als sie den kleinen Zettel neben meinen Teller legte. Sie sah schüchtern aus. Ich sah auf den Zettel und die Worte erklangen in meiner eigenen Stimme: „Sing für uns“. Dann wachte ich auf. Zur Zeit dieses Traums hatte ich ein zweiwöchiges Engagement in einem Hotel in Norddeutschland. Vom ersten Abend an merkte ich, dass das Publikum nach außen hin nicht sehr motiviert wirkte. Nach den Auftritten fühlte ich mich erschöpft und enttäuscht. Im Traum erkannte ich meine Frustration wieder, aber auch die Akzeptanz dessen, dass ich einen großen Reichtum erfuhr, wenn auch auf eine Art und Weise mit der ich nicht gerechnet hatte.

Self portrait of a sheep, 2012

Ich dachte nie dass self portrait of a sheepich als Sängerin arbeiten können würde. Aber nach vier Jahren in Deutschland war ich zufrieden mit dem was ich hier erreicht hatte und ich wollte nicht zurück in mein altes Leben. Ich hatte aber immer noch das Gefühl, anderen zu hinterher zu laufen auf meinem Weg. Ich fühlte mich wie ein Schaf. Diese Erkenntnis erzeugte ein klares und fixes Bild das in meinem Kopf surrte wie eine Biene. Entweder hatte ich nicht die vollständige Kontrolle über mein Schicksal oder ich war ein Mitläufer weil ich immer noch etwas zu lernen hatte.

Wochen später hatte ich einen Traum: Ein Sänger kam nach dem Konzert von der Bühne herunter und gab mir ein Diadem. Das Schmuckstück war aus diamantenbestücktem Gold gefertigt, mit sechs ovalen Jadesteinen und einer weißen Perle in der Mitte. In „Self portait of a sheep“ benutzte ich zwei Bilder von bewussten und unbewussten Momenten. Ich verbinde ein ehrliches Urteil über mich mit den in mir verborgenen Gefühlen. Das Ergebnis ist, ähnlich einem Spiegel, ein akkurates Porträt des emotionalen Ichs der Malerin.

My own invention – meine eigene Erfindung, 2012

5 Jahre späterREAD IN ENGLISH: My own invention

Es war im November 2011 als fünf andere Musiker und ich irgendwohin nach Deutschland fuhren. Wir hatten noch am selben Abend zu spielen. Nach mehreren Tagen, an denen wir in verschiedenen Städten auftraten, fühlte ich mich endlich wie eine richtige Sängerin. Während dieser langen Stunden auf der Rückbank des Bandbusses wanderten meine Gedanken fort zu Erinnerungen an mein früheres Leben. Ich hatte mich so sehr verändert seit diesem Januartag im Jahre 2008, an dem ich am Hamburger Flughafen ankam, um in Deutschland zu bleiben. Diese Erinnerungen inspirierten mich dazu, den Song „Before the show“*  zu komponieren. In diesem Lied habe ich zwei Dinge verarbeitet: die Schwierigkeiten, als Sängerin in Deutschland Fuss zu fassen, und die Trennung von meiner Familie in Puerto Rico. Der Liedtext findet sich hier. In der Entstehungsphase dieses Songs hatte ich einen Traum, der die ersten Zeichenentwürfe zu „My own invention“ inspirierte.

Der Traum: Das Boot trieb aufwärts gegen die Strömung durch einen Tunnel. Ich konnte das Wasser hören als der Froschmann, der das Boot steuerte, durch die Dunkelheit paddelte. Ich hatte keine Angst, obwohl ich mehrere riesige Gestalten an beiden Seiten des Tunnels erkennen konnte. Wir erreichten ein Tor auf der linken Seite des Tunnels und ich konnte Musik hören, als es sich öffnete und ich eintrat. Ich war in einer großen Halle in der eine Gesellschaft feierte. Am anderen Ende der Halle war ein Torbogen, durch den ich einen sonnenbeschienenen Garten erkennen konnte, den ich jedoch nicht betreten durfte.

In „My own invention“ stellte ich mich als Maschine dar, die Musik erzeugt. Diese weibliche Maschine zeigt ohne Angst ihr wahres Gesicht als Zeichen der Aufrichtigkeit. Durch sie hindurch fließt der Fluss des Lebens auf dem das Boot treibt. Eines Tages, wenn das Mikrofon unten angekommen ist wird auch ihr Leben als Sängerin enden und sie wird schließlich ihre Reise ins Leben im Jenseits antreten.

 * das Lied „Before The Show“ wird auf meiner nächsten CD veröffentlicht, deren Erscheinen für 2014 geplant ist.

Sueño – die Traumreise, 2009

READ IN ENGLISH: Sueño – the dreaming journey

Aufgewachsen im ländlichen Teil der Insel, wuchs in mir beständig der Wunsch, in der Altstadt von San Juan, der Hauptstadt von Puerto Rico, zu leben. Als Studentin an der Universität hatte ich dann endlich die Gelegenheit dazu. Ich zog mit drei Kollegen in eine Wohngemeinschaft. Während der ersten Wochen konnte ich mein Glück nicht fassen, und wann immer ich von der Arbeit kommend vor unserem Wohngebäude stehen blieb, betrachtete ich die Kolonialarchitektur mit dem kräftigen Rosaton und den runden Fensterbögen. Ich dachte, ich würde für immer in dieser Stadt leben. Die visuellen Eindrücke von San Juan hielt ich fest, als ich Jahre später und mittlerweile in Hamburg lebend „Sueño“ malte. Damals musste ich noch weinen angesichts der Erinnerungen an die Dinge, die ich zurückließ. Die Bestandteile dieses Bildes romantisieren nicht nur die Vergangenheit, die ich nunmehr seit Jahren hinter mir lassen wollte, sondern idealisieren auch meine Reise als Immigrantin und die neugewählte Realität: Eine neue Stadt, ein Ehemann und die Hände voller Träume, deren Verwirklichung ich herbeisehne. Im Bild schwebt an meiner Seite die Gestalt des stummen Botschafters der Hoffnung als Symbol  des unaufhaltsamen Wandels; eine Chimäre aus Fisch und Vogel, der in seinem Schnabel das blaue Band als Symbol des Vishuddha chakra* trägt. Damit deutet der Botschafter eine zukünftige Verbindung zwischen der geträumten Realität und meiner Stimme (meinem Instrument als Sängerin) an.

*symbolisiert das reine Bewusstsein und die Kreativität, steuert den Ausdruck und die Inspiration des Gesprochenen, Eloquenz, und die Wahrnehmung der Archetypen als universelle Urbilder.

A dream to remember, 2010

The dream: I was standing in the middle of the street. The city was dark. I was naked. The buildings were standing all around me like clone giants. In the night sky, several meters above my head, floated the boat. Its dark wood remain in the shadows while inside grew a tall and bright city. Illuminated by it self, the buildings had a colonial architecture in bright yellows. From it came the music of a thousand bands and a thousand songs. Then I recognized it. It was the old city of San Juan.

When I painted „El sueño del recuerdo“ in 2011, I decided that I wanted to represent my healing process. The messenger floats with a branch of the cundeamor (Momordica charantia) flower. Many years before, when I was a little girl playing in the back yard of our house, my mother showed me how to eat the seeds of the cundeamor. Only many years after I learned that this magical plant of my childhood was a medicinal plant. But to me the true medicine was in a single memory: my mother standing next to a fence covered in the twisted branches of the cundeamor plant. She lowered her hand and in her thin fingers opened the yellow oblong shape which contained bright red seeds. She said: Don’t chew them, just lick them and spit them.